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Gibt es einen Umgang mit den „Grundlagen“ von Lebens- und Kunstpraktiken, der weder rückschrittlich noch zukunftsbesessen ist? Diese Frage kam in einer Paneldiskussion bei der transmediale 2005 auf. Der Künstler Steve Kurtz nahm am damaligen Panel teil und griff die Frage in seinem Keynote-Vortrag beim Festival 2017 erneut auf. Kurtz, Mitglied des schon seit Jahrzehnten bestehenden, legendären Critical Art Ensemble (CAE), musste 2005 große rechtliche Hürden überwinden, um bei der Veranstaltung „Basics“ über seine Arbeit zu sprechen. 2017 beschrieb er den Verlauf dieser Arbeit in den letzten 12 Jahren angesichts der neuen Ausformungen von Biomacht, mit denen wir es zu tun haben. Wenn Biomacht überhaupt das richtige Wort ist – so hat Elizabeth Povinelli den Begriff der „Geontomacht“ geprägt, um die Kontrolle gegenwärtiger Macht über die Grenzziehung zwischen Leben/Nichtleben anzudeuten, und nicht nur den Zugriff von Biomacht auf Leben/Tod.

 

Auf der transmediale 2017 feierte Bear With Me: A Play For Two Webmasters, Buch und Regie von net.art Pionierin Olia Lialina mit Schauspieler und Künstler Kevin Bewersdorf in der Hauptrolle, seine Premiere. Das Stück spielt im Jahre 1997, kurz vor dem dot.com Boom verbindet das Stück Live-Coding mit Live-Handlung und folgt den Figuren Jake, Alan und Lisa wie sie an ihren Webseiten arbeiten. Im Dezember 2016 sprach Fiona Shipwright mit Lialina und Bewersdorf von der Merz Akademie Stuttgart über ihre bevorstehende Performance und wie diese vergangene Ära des Internets unser Verständnis von Flüchtigkeit und Unbestimmbarkeit des Netzes heute fördern kann.

 

transmediale 2017 saw the debut of Bear With Me: A Play For Two Webmasters, written and directed by net.art pioneer Olia Lialina and starring actor and artist Kevin Bewersdorf. Set in 1997, just prior to the dot.com boom and combining live coding with live action, the play follows the efforts of characters Jake, Alan, and Lisa, as they work on their web pages. In December 2016, Lialina and Bewersdorf spoke to Fiona Shipwright, from the Merz Akademie, Stuttgart and upstate New York respectively, about the upcoming performance and how revisiting this previous era of the net can inform our understanding of elusiveness online today.

 

Eine Zeitreise zurück ins Jahr 1995, als die transmediale noch VideoFest hieß: Eine Reihe von Festivalteilnehmer_innen ist dazu eingeladen, eine Reihe von Fragen über die aufkommende Disziplin der „Multimedia-Kunst“ zu beantworten. Sie sitzen jeweils vor einer blauen Wand und eine unbekannte Person hinter der Kamera stellt die Fragen. Unter den Interviewten waren diverse Denker_innen wie Siegfried Zielinski, Geert Lovink oder Eva Pascoe.

 

Time travel back to 1995, when transmediale was still called VideoFest: a group of festival participants is invited to answer a series of questions about the budding discipline of “multimedia” art while seated in front of a blue screen. The resulting recordings have become known as the Blue Screen Interviews, and while the meaning of the Blue Screen has been lost to festival lore, the interviews themselves are unique historical documents and prescient reminders of evolutions within transmediale and within media art and theory. Here, participant Simon Biggs re-addresses the questions he first answered in 1995, the year he curated the festival exhibition.

 

Physische Zusammentreffen mit digitaler Kultur wird "weder von sogenannten sozialen Medien noch durch Post-Internet-Art ersetzt werden" argumentiert Dieter Daniels in diesem Essay, welcher anlässlich dem 30-jährigen Jubiläum der transmediale verfasst wurde. Daniels geht zurück bis zu den 60er Jahren um zu erklären warum ein Festivalformat, welches der Formalisierung widersteht, noch immer relevant ist.

 

Physical encounters with digital culture “will neither be replaced by so-called social media nor by post-internet art,” argues Dieter Daniels in this essay written on the occasion of transmediale’s thirtieth anniversary. He dives all the way back to the 1960s to explain why a festival format—one which resists formalization—is still relevant.

 

Die zehn Jahre zurückliegende, aus dem transmediale-Archiv hervorgeholte Podiumsdiskussion deutet darauf hin, dass sich der Diskurs über digitale Kultur vielleicht gar nicht so schnell verändert, wie wir denken. Das ist ein gutes Zeichen.

 

David Blairs Projekt Wax, or the Discovery of Television among the Bees von 1993 war der erste unabhängige Film, der mit einem nicht linearen Schnittsystem bearbeitet wurde, der erste Film, der in eine interaktive und hypertextuelle Online-Erfahrung übertragen wurde (Waxweb, 1993) und der erste Film, der über ein Computernetzwerk ausgestrahlt wurde. In seinen vielen Ausführungen erzählt uns Wax die surreale Geschichte von Jacob Maker, einem Programmierer von Waffen und Flugsimulationen für die US-amerikanische Regierung auf einem Testgelände in Alamogordo in New Mexico. In seiner Freizeit züchtet Maker eine bestimmte mesopotamische Bienenart. Sein Leben nimmt eine abrupte Wendung, als die Bienen sein Bewusstsein übernehmen und es ihm ermöglichen, mit den Toten zu kommunizieren. Seine Halluzinationen werden durch psychedelische Collagen aus Computeranimationen, Videofeedback-Texturen, Heimvideos, Archivbildern und gefundenem Bildmaterial visualisiert.

 

David Blair’s 1993 Wax, or the Discovery of Television among the Bees was the first independent film to be edited using a non-linear editing system, the first film to be translated into an interactive and hypertextual online experience (Waxweb, 1993), and the first film to be streamed over a computer network. In its many incarnations, Wax tells the surreal story of Jacob Maker, a programmer of weapon and flight simulators who keeps a special Mesopotamian breed of bees. His life takes an abrupt turn when the bees take over his consciousness, allowing him to communicate with the dead. His hallucinations are visualized by psychedelic collages of computer animation, video feedback textures, home videos, archival photos, and found footage.

 

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