transmediale 2016 erfindet sich als Conversation Piece neu
Berlin, am 10. November 2015
Die transmediale erfindet sich in ihrer 29. Ausgabe mit einem performativen und partizipativen Format im Haus der Kulturen der Welt neu. Sie findet vom 3. bis zum 7. Februar 2016, zum fünften Mal mit Kristoffer Gansing als künstlerischem Leiter, statt.
Unter dem Namen Conversation Piece wird sie zur Plattform für einen intensiven Austausch: In Diskussionen, Vorträgen, Workshops, temporären Installationen und anderen hybriden experimentellen Formaten entwickelt sich künstlerische und wissenschaftliche Praxis.
Die Kulturstiftung des Bundes fördert die transmediale als kulturelle Spitzeneinrichtung.
Den Namen Conversation Piece hat die transmediale einem Genre der Malerei entlehnt, das im 18. Jahrhundert entstand. Die für das Genre charakteristischen Gemälde zeigen idealisierte Alltagszenen von Menschen im Gespräch. Heute ist es Ausdruck für alles, was Gespräche entfacht – Stoff, der den Austausch von Ideen anregt. In ihrer neuen Form gibt die transmediale 2016 Anlass, „idealisierte“ Aspekte des Lebens im digitalen Kapitalismus dialogisch zu hinterfragen. Welche Aktivitäten und Verhaltensweisen sind heute Voraussetzung für kulturelle Produktion und Teilhabe? Wie begegnen wir Ängsten, die mit solchen Zwängen aufkommen?
Ausgehend von diesen Fragen entwickelt sich die Veranstaltung entlang mehrerer thematisch verknüpfter Stränge: Anxious to Act, Anxious to Make, Anxious to Share und Anxious to Secure. Das englische Wort „anxiety“ hat zwei Bedeutungen: Einerseits bezeichnet es Angst und Sorge, anderseits steht es für den Drang zu handeln, der aus dieser Unruhe resultiert. Dieser Zustand kann zu einer schnellen Eskalation, aber auch zu vollständiger Stagnation führen.
Das Format Conversation Piece versucht nicht, den Zustand zwischen Untätigkeit und Handeln aufzulösen, indem es etwa beschleunigt oder entschleunigt. Im Gegenteil: Es nimmt bewusst diesen unbequemen Zwischenraum ein, um das Gespräch um seiner selbst willen zu eröffnen. Auf diese Weise schafft es auch eine Gelegenheit, ältere Festivalthemen neu zu diskutieren und über die Zukunft des Formats Festival zu reflektieren.
Erste Programmankündigungen
Das kuratorische Team besteht aus dem künstlerischen Leiter Kristoffer Gansing, Filmkurator Florian Wüst, den Stream-Kuratoren Oliver Lerone Schultz (Anxious to Act), Teresa Dillon (Anxious to Make), Ben Vickers (Anxious to Share), Theresa Züger (Anxious to Secure), sowie Daphne Dragona, Kuratorin des Co-Curricular-Programms.
In Zusammenarbeit mit dem Online-Magazin Berliner Gazette initiiert die transmediale eine Reihe von Workshops und Gesprächen, die das Snowden-Archiv als eine Art kollektives Unterbewusstsein diskutieren, das in Bezug auf unsere soziale und politische Gegenwart wie auch unsere Zukunft befragt werden soll.
Künstlerin Alona Rodeh gibt einen Einblick in ihre Sichtweise auf die Geschichte von Alarmgeräten, indem sie die parallele Entwicklung von Sirenen in Kriegsindustrie, städtischer Sicherheit und Musik vom 19. Jahrhundert bis heute skizziert. Ihre Performance, die analoge Alarmgeräte beinhaltet, wird von Musiker Harel Schreiber aka Mule Driver begleitet.
In den verschiedenen Streams präsentiert die transmediale Keynote Conversations: Unter anderem trifft Architektin, Autorin und Professorin Keller Easterling auf Architekt und Autor Eyal Weizman, um die weltweite Bereitstellung von Mitteln für Aktivismus sowie deren Beziehung zur Territorialpolitik zu beleuchten.
Das Panel A New State of Mind versammelt Teilnehmer wie den Künstler und Autor James Bridle und den Philosophen, Soziologen und Professor Geoffroy de Lagasnerie. Verhandelt werden neu entstehende künstlerische und politische Gegenpraktiken zum aktuellen Stand der Sekuritisation. Die Teilnehmer analysieren die dazu führenden Unsicherheiten und thematisieren die Geheimhaltung und Unklarheit von Informationen, um neue politische Handlungsmöglichkeiten zu erreichen.
Femke Herregraven, deren künstlerische Praxis das weltweite Finanzsystem, Information und Geopolitik aufgreift, untersucht und diskutiert zusammen mit Guggenheim-Kurator, Architekt und Computertechniker Troy Conrad Therrien das “Planetary Scale System”.
Eine Reihe von Diskussionen wird unter dem Namen The Panic Room Sessions mit ausführlichen partizipatorischen Reflexionen über Themen und Projekte der laufenden Veranstaltung zum Raum für Neuorientierung und Gespräche mit offenem Ende.
Das Film- und Videoprogramm der transmediale/conversationpiece schafft historische und aktuelle Bezüge rund um die vier thematischen Streams des Festivals. Der Fokus der internationalen Filmauswahl ist auf experimentelle und essayistische Arbeiten gerichtet, die sich mit den verschiedenen sozialen, politischen und ökonomischen Realitäten des Digitalzeitalters auseinandersetzen.
Ein Beispiel für die hybriden Präsentationsformate der transmediale 2016 ist Steve Rowells dokumentarisches Video- und Mappingprojekt Parallelograms, das in der Eröffnungsnacht im Auditorium des HKW installiert wird. Darüber hinaus zeigt das Künstlerduo Vermeir & Heiremans die Deutschlandpremiere von Masquerade: Angesiedelt in den flüchtigen Welten von Hochfinanz und globalen Kunstmärkten, steuert ein eigens entwickelter Algorithmus ihre Mehrkanal-Installation.
Die 17. Ausgabe unseres Partnerfestivals CTM – Festival for Adventurous Music and Art findet vom 29. Januar bis zum 7. Februar 2015 statt. Digitalisierung und Globalisierung verändern tiefgehend die zeitgenössische Musiklandschaft in Richtung einer vermehrten kulturellen Hybridität. Der Verlauf dieser Veränderungen wird in der heutigen Musik reflektiert, indem sie die Beziehungen zwischen lokaler und globaler Praxis, regionaler Identität und kosmopolitischer Reichweite, realen Standorten und virtuellen Räumen sowie menschlicher Handlungsfähigkeit und autonomen Prozessen in Natur und Technolgie auf die Probe stellt. Innerhalb dieser neuen Vielfalt entstehen Rückkopplungen und lösen Kurzschlüsse aus, die die Möglichkeiten und das Repertoire aktueller Musik erweitern. CTM 2016 – New Geographies zielt darauf ab, Musik- und Klangpraktiken zu erforschen, die auf diese Entwicklungen reagieren und die konzeptuellen Werkzeuge bereitzustellen, um die Verwicklungen einer polyzentrischen, polychromatischen und zunehmend hybriden Welt mit größerer Offenheit zu behandeln. Weitere Informationen zum Thema hier.
Die Akkreditierung für Journalisten ist bis zum 5. Januar 2016 möglich.
In unserem Press Kit sind nähere Informationen zum diesjährigen Thema, dem Festival im Allgemeinen sowie die Biographien der Kuratoren enthalten.
Mehr Details zum Programm werden Anfang Dezember veröffentlicht.
Weitere Angaben über die ganzjährigen transmediale-Aktivitäten in Form der reSourcePlattform und Künstlerresidenz sowie das transmediale-Archiv sind online verfügbar.
Die transmediale ist ein Projekt der Kulturprojekte Berlin GmbH in Zusammenarbeit mit dem Haus der Kulturen der Welt.Die Kulturstiftung des Bundes fördert die transmediale als kulturelle Spitzeneinrichtung.
Tabea Hamperl
tel: +49 (0)30 24 749 792
http:// 2016.transmediale.de/de/